Im Jahre 1911 wurde für 25jährige Mitgliedschaft eine tragbare Dienstauszeichnung in Gestalt eines
silbernen Kreuzes am gelbgrünen Bande gestiftet, für 50jährige Mitgliedschaft die gleiche
Auszeichnung in Gold. Das Schützenfest wurde durch den Besuch des Erbprinzen
Heinrich XXVII. Reuß j.l. ausgezeichnet, der als Nachfolger seines Vaters in der Regentschaft
den Festplatz und alle Räumlichkeiten besichtigte und über zwei Stunden in der Mitte der Schützenkameraden weilte.

1912 erfolgte die Einkleidung der I. und II. Abteilung mit Litewken, die der III Abteilung mit Joppen. Die Litewken
der I. und II. Abteilung wurden neben der Uniform für den kleinen Dienst getragen.

Am 18. Oktober 1913 beteiligte sich die Gesellschaft an der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig.
Am ersten Tage des Vogelschießens 1914 kam die Mobilmachung zum Weltkriege heraus. Infolgedessen wurde das
Schützenfest sofort abgesagt. Am 3. August fand zu Ehren der zu den Fahnen einrückenden
Kameraden ein großes Abschiedsessen statt.

Am 20. August 1914 bewilligte der Vorstand 1000 Mark für die Kriegsspende der Stadt, 1000 Mark für die des Landes
und 1000 Mark für das Rote Kreuz. Außerdem wurden der kleine Saal und drei Zimmer des Schützenhauses
für die Unterbringung elsässischer Flüchtlinge bereitgestellt. Für jeden mobilen und
immobilen Kameraden löste die Gesellschaft einen Kriegsversicherungsschein.

1915 wurden 10 000 Mark Mitteldeutsche Bodenkreditbriefe gegen Kriegsanleihe umgetauscht.
Die Schützenhaus-Räumlichkeiten und das Kolosseum stellte stellte die Gesellschaft der
Stadt zur Unterbringung von 200 Soldaten zur Verfügung.

Im Jahre 1916 ging das Gesellschaftsleben unter dem Druck des furchtbaren Krieges
mehr und mehr zurück. Die Gesellschaft stiftete weiter zahlreiche Beiträge für verschiedene Kriegshilfszwecke bzw.
Unterstützungen. Tambour Feustel musste in diesen Jahre sein Leben auf dem Felde der Ehre Lassen.

1917 wird der Gasthof Zum Erbprinz und der sogen. krumme Adler auf Tannendorfer Flur zum Ankauf
als Schützenplatz angeboten. Im Hinblick auf den Krieg konnte sich die Gesellschaft zum Ankauf nicht entschließen. Der
Reservefonds wird von 20 000 Mark auf 50 000 Mark erhöht. Die Zinsen dienen zur Unterstützung alter gedienter Kameraden.
Kamerad Hüllemann erleidet de Heldentod.

1918 Der Krieg ist aus. In Deutschland herrscht der Geist der Revolution. Die Die Throne sind gestürzt.
Der am 2. Oktober 1918 gebildete Arbeiter und Soldatenrat verlangt die Ablieferung aller Waffen. Um das Gesellschaftsvermögen
dem Zugriff finsterer Elemente zu entziehen, werden jedem Mitglied als Weihnachtsgeschenk 2000 Mark ausgezahlt. Zum Umbau
der Orgel der Stadtkirche bewilligt die Gesellschaft auf Antrag des Kameraden Großberger 20 000 Mark.

1919 Die vom Arbeiter und Soldatenrat beschlagnahmten Waffen werden von der Regierung wieder freigegeben.
Die Gesellschaft beschließt, bei allen festlichen Anlässen, Begräbnissen usw. wieder in Uniform und mit Fahne anzutreten. Im
Vereinszimmer wird ein Ehrendiplom zum Gedenken an die gefallenen Schützenkameraden an einem Ehrenplatz aufgehängt.

Nach langer Pause hält man im Jahre 1921 das erste Schützenfest wieder ab. Der große Zuspruch aus allen Kreisen der Bevölkerung
beweist, wie das Vogelschießen zum Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes geworden ist.
Die fortschreitende Inflation erschwerte die Durchführung weiterer Festlichkeiten. Trotzdem wurde mit einem Mitgliederbestand
von 119 Kameraden (alle drei Abteilungen) und 3 Ehrenmitgliedern auch 1923 das Schützenfest abgehalten. Das in den
guten Jahren vor dem Kriege angekaufte Kolosseum fiel der Inflation zum Opfer.